Lernspielzeug | © panthermedia.net / SergiyN

Eltern, Kinder, Lernspielzeug – Zwei Studien im Vergleich

Spielen und Spielzeug hat einen nicht zu unterschätzenden Wert für die kindliche Entwicklung. Der Zusammenhang von Schulfähigkeit und Spielfähigkeit ist unter den meisten Experten unumstritten. Es sollte also wenig verwunderlich sein, dass Spielzeughersteller ihren Produkten, wann immer es nur möglich ist, das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ zu verpassen versuchen. Dies ist manchmal sicherlich vollkommen korrekt – hin und wieder jedoch einzig einer Eingebung der entsprechenden Marketingabteilung geschuldet.




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Es liegt durchaus nahe, aus den verstärkten Marketingbemühungen zu folgern, dass Lernspielzeug (edukatives Spielzeug) einen besonders hohen Stellenwert unter Eltern und Kindern genießt und sich derartige Bemühungen daher auszahlen.

Mit eben diesem Thema hat sich eine Forschungsgruppe der Gesellschaft für Angewandte Sozialforschung unter wissenschaftlicher Supervision von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Universität Bielefeld) befasst. In einer breit angelegten Studie wurden über 300 Familien um Bewertungen und freie Statements zu verschiedenen Fragen und Themenbereichen gebeten. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Themen „Lernspiel“ und „Lernspielzeug“  tief in der elterlichen Wahrnehmung verankert sind. Das Interesse für diese Themen ist groß und ebenso ausgeprägt ist das darauf abzielende elterliche Verhalten. Diese Studie, deren Auswertungsbericht im Original 56 Seiten umfasst, soll hier einmal kurz dargestellt werden.

Flankiert wird diese Auswertung von einer weiteren Studie zum  Kaufverhalten bei  nachhaltigen Spielwaren, durchgeführt vom GfK­Lehrstuhl für Marketing Intelligence der  Universität Erlangen­Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Koschate.

Beide Studien zusammengeführt und zueinander in Beziehung gesetzt, zeichnen ein recht deutliches Bild von der elterlichen Wahrnehmung von Sinn und Wesen von Lernspielzeugen und vom daraus resultierenden Konsumverhalten.

I. Lernen im Spiel und Lernspielzeug – ein kurzer Überblick

Kinder lernen im Spiel. Und das in jeder Phase ihrer Kindheit. Das ist erst einmal recht naheliegend, verbringen doch Kinder die meiste Zeit damit, zu spielen. Wenn nicht im Spiel, wann sollten Sie also sonst lernen? Dabei ist das Lernen im Spiel jedoch nicht zufällige Begleiterscheinung sondern ganz zentral für die kindliche Entwicklung. Der neuseeländische Spieletheoretiker und Bildungsforscher Sutton-Smith bezeichnete das Spiel einmal als „Mittler des Neuen“, das Medium also, mittels dessen Kinder in Kontakt mit neuen Reizen, neuen Problemen und also mit neuen Strategien kommen, diese zu verarbeiten und zu lösen. Durch das Spiel, genauer das Verhalten im Spiel „erwerben sich Kinder […] eine besondere Kompetenz, mit Umwelt umzugehen und auf Umwelt einzuwirken“ (Koch:14).

Kinder durchleben in Ihrer Entwicklung verschiedene Phasen. Jede dieser Phasen kann durch den Erwerb bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten, und dadurch, was die Kinder kognitiv und körperlich zu leisten im Stande sind, definiert werden. Jeder dieser Phasen kann auch eine oder mehrere Spielformen zugeordnet werden. Und jeder dieser Spielformen und Phasen können letztlich geeignete Spielzeuge beigestellt werden.

Nach Piaget können vier Entwicklungsperioden unterschieden werden, denen verschiedene Spielformen zugeordnet werden. Das Schema sieht dann in etwa wie folgt aus (ähnlich Koch:13):

 

Sensumotorische Periode (0-2 Jahre) | Übungs- und Funktionsspiel
Präoperationale Periode (3-6 Jahre) | Symbolspiel
Periode d. konkreten Operationen (7-11 Jahre) | Regelspiele
Periode d. formalen Operationen (ab 11 Jahre) | Regelspiele

 

Lernspielzeug kann damit in zweifachem Sinn verstanden werden. Zum einen in einer recht weiten Definition. Lernspielzeug wäre demnach alles Spielzeug, das nachweislich in der Lage ist

a)     das Kind in eine Situation zu versetzen, welche geeignet ist, die in der jeweiligen Entwicklungsphase wichtigen Fähigkeiten (sozial, kognitiv & körperlich) zu trainieren.

b)      Das Kind zu Handlungen animiert, die hinsichtlich der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, aber auch der sozialen Kompetenz als diese schulend einzuschätzen sind.

Eine solche Definition hat jedoch nicht nur zur Folge, dass nahezu jedes Spielzeug als Lernspielzeug zu klassifizieren ist. Vielmehr ließe sich diese Definition auch auf Gegenstände anwenden, die man gemeinhin nicht als Spielzeug bezeichnen würde (Steine, mit denen das Kind spielt etc.).

Wie sich aber im Verlauf der Studie herausstellt, ist genau dies die unter Eltern verbreitete Definition. Eltern verstehen dies, oder sehr ähnliches unter dem Begriff „Lernspielzeug“.

Demgegenüber steht eine akademische Definition nach Kube, wonach Lernspiele „all jene Spielformen […][sind], mit deren Hilfe […] das Lernen von Zeichen, Begriffen und Fakten sowie deren regelhafte Ordnungsbeziehung provoziert werden sollen“. Kurzum: Lernspiele sind solche Spiele, mit denen man Sprechen, Schreiben, das Zuordnen von Eigenschaften und hartes Weltwissen erlernen kann.

Diese Form von Lernspielen, nenne ich, wie auch die Herausgeber der GEFAS-Studie, „edukative Spiele“. Den Begriff „Lernspiel“ reserviere ich mir, gemeinsam mit den Eltern, für Spielzeug im Sinne der weiteren Definition.

 II. Eltern, Lernspiele und Nachhaltigkeit – die Studienergebnisse im Überblick

Die Frage, die sich nun stellt und welche durch die vorliegenden Studien beantwortet werden soll, ist die Folgende: In welcher Form und in welchem Maße sind die Themen Lernen im Spiel und Lernspielzeug in der elterlichen Wahrnehmung verankert und wie schlägt sich das auf das konkrete Konsumverhalten nieder?

Um diese Fragen zu beantworten, führte die GEFAS eine Studie in insgesamt drei Phasen durch. In der ersten Phase wurden insgesamt sechs Familien interviewt. In einem freien Interview wurden so Formulierungen und Schwerpunkte für einen zu entwerfenden Fragebogen entwickelt. Der daraus resultierende Testbogen war Basis der anschließenden Telefoninterwies mit insgesamt 319 Familien (n=319) mit Kindern unter 12 Jahren. Ergebnis dieser Befragung sind sehr aussagekräftige Statistiken zu den Erwartungen, Präferenzen und zum Konsumverhalten der Eltern im Hinblick auf das Spielzeug ihrer Kinder. In einer dritten Phase wurden stationäre Spielzeughändler (n=204) befragt, um Aufschlüsse darüber zu gewinnen, wie die Realität in den Spielzeuggeschäften mit den elterlichen Erwartungen in Einklang zu bringen ist.

II.a. Erkenntnisse aus Phase I

Recht eindeutig zeigte sich bereits in der ersten Studienphase, dass die Definition von „Lernspielzeug“ unter den Eltern nicht einheitlich ist und daher auch nicht der akademischen Definition von „edukativem Spielzeug“ entspricht. Wichtig war, dass ein Spielzeug einen erkennbaren Sinn im Hinblick auf bestimmte Lernbereiche hat. Lernspielzeug wird von den befragten Eltern mit „sinnvollem Spielzeug“ gleichgesetzt.

Aus den durchgeführten Interviews konnte dann ein Kriterienkatalog für „sinnvolles Spielzeug“ erstellt werden, der wiederum die Grundlage der für die Telefoninterviews verwendeten Fragebögen bildete. Besonders bemerkenswert, wenn auch in dieser Phase der Studie nicht repräsentativ, war, dass alle Eltern angaben, das Spielzeug ihrer Kinder immer im Hinblick auf einen zu erwartenden Lerneffekt ausgesucht würde.

II.b. Erkennstnisse aus Phase II

Das Telefoninterview verlief nach einem einfachen quantitativen Bewertungsverfahren. Die Eltern wurden befragt, welches Spielzeug sie für ihre Kinder als „sinnvolles Spielzeug“ erachten. Dazu wurden Ihnen insgesamt 27 Beschreibungen zur Bewertung vorgelegt. Die Beschreibungen ergaben sich den Nennungen der Probanden in Phase I. Die Bewertung erfolgte über eine Zuordnung von Zahlenwerten wobei der Wert 1 als „Nicht wichtig“ und der Wert 4 als „sehr wichtig“ gedeutet werden sollte.

In einer ersten groben Annäherung können die Nennungen in „die Förderung von Kindern betreffend“ (kognitiv, körperlich, sozial) und „andere Aspekte“ eingeteilt werden. Dabei fällt auf, dass unter den 15 bestbewerteten Nennungen nur 4 sind, die sich nicht eindeutig dieser ersten Gruppe zuordnen ließen.  Interessant im Hinblick auf die zentrale Fragestellung der Studie ist Punkt 13 („Spielzeug aus natürlichen Materialien“). Wie eine zweite, von dieser unabhängige Studie zeigt, scheinen natürliche Werkstoffe eher mit dem Begriff „pädagogisches Spielzeug“ assoziiert zu werden. Fast ein Viertel der  Probanden der Studie der Universität Erlangen-Nürnberg gab an, „Nachhaltigkeit bei Spielzeug“ mit einem pädagogischen Wert des betreffenden Spielzeugs zu verbinden. Eben diese Nachhaltigkeit wird wiederum stark mit natürlichen Materialien verknüpft. Diese nur transitive Beziehung ist zwar allein betrachtet nicht aussagekräftig, kann jedoch als ein Hinweis gewertet werden, warum gerade Spielzeuge aus natürlichen Materialien einen gewissen Vertrauensvorschuss zu genießen scheinen.

Eine weit feinere Clusterung der Nennungen hingegen, lässt acht Gruppen zum Vorschein kommen.

Zu bemerken ist dabei, dass unter dem „Aspekt des praktischen Nutzens für Kinder“ Nennungen gefasst sind, die ebenfalls auf den Aspekt der „Förderung“ eingehen. Hierunter werden Nennungen gefasst, welche solches Spielzeug als „sinnvoll“ beschreiben, welches die geistige und körperliche Entwicklung fördert, dazu langlebig ist und/oder zum Bauen und Gestalten anregt. Die Abgrenzung zum Aspekt der „Förderung und Bildung“ ist daher auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig, jedoch einfach erklärt. Im Hinblick auf das Studienziel, wurde das Cluster „Aspekt der Förderung und Bildung“ so definiert, dass es als Wiedergabe der akademischen Definition von edukativem Spielzeug interpretierbar ist (siehe oben).

Dass die ersten drei Plätze tatsächlich allein unter Gruppen aufgeteilt werden, die ausschließlich über Nennungen zu  Lern- und Förderungs-Aspekten der Spielzeuge definiert sind, ist beachtlich. Dass der Aspekt der „Förderung und Bildung“, der ja die akademische Definition eines edukativen Spielzeugs repräsentiert, aber auf Platz zwei steht, dürfte nicht nur die Auftraggeber der Studie positiv überrascht haben.  Besonders unter Eltern mit mittlerem Bildungsabschluss und unter Eltern besonders junger Kinder wurden Nennungen, welche in diese Gruppe einzuordnen sind, überdurchschnittlich hoch bewertet.

Auch dem Aspekt der „Pädagogischen Qualität eines Spielzeugs“ messen viele, vor allem aber junge Eltern einen gesteigerten Wert zu. In dieser Gruppe finden sich nicht nur Nennungen, welche ein Spielzeug als „sinnvoll“ beschreiben, dass altersgerecht ist oder dem nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ein bestimmter Wert beigelegt wird. Es findet sich auch eine Nennung, welche sich auf die Natürlichkeit der verwendeten Materialien bezieht. Ähnlich wie in der Erlanger-Studie finden sich also auch in der GEFAS-Studie Hinweise darauf, dass Spielzeug aus natürlichen Materialien sehr stark mit pädagogischem Spielzeug assoziiert wird. Wie genau jedoch dieser sich andeutende, scheinbar universelle Vertrauensvorschuss zu erklären ist, kann keine der beiden Studien wirklich erhellen.

Diese drei Gruppen, die sich ganz deutlich auf Lern- und Förderaspekte von Spielzeugen beziehen, belegen also die ersten drei Plätze des Rankings. Nennungen, die einer dieser Gruppen zuzuordnen sind, sind jene, welche tendenziell als am wichtigsten eingestuft wurden. Auf den darauffolgenden Plätzen finden sich Gruppen, welche sich auf den Verwendungskontext des Spielzeugs beziehen. Hierunter wurden Nennungen gefasst, welche den Ort des Spiels, die Anzahl der notwendigen Mitspieler und nicht zuletzt auch den individuellen Geschmack der Kinder und Eltern sowie die Einfachheit der Verwendung des Spielzeugs betreffen (Aspekte der „Funktion“, „Eigenständigkeit“ und der „ästhetischen Qualität“). Weit abgeschlagen finden sich Gruppen von Nennungen, welche Kosten-Nutzen-Aspekte oder Statusabwägungen (Marken aber auch Geschlechterspezifika) thematisieren.

II.c. Fokussierung auf edukatives Spielzeug

In einem zweiten Teil der Telefonbefragung wurde der thematische Schwerpunkt ganz auf das edukative Spielzeug im Sinne (einer Abwandlung) der akademischen Definition bzw. der Gruppe „Aspekt der Förderung und Bildung“ gelegt. Hier sollten die Eltern angeben, welches edukative Spielzeug zuletzt gekauft wurde, ob sie es im Nachhinein als geeignetes Spielzeug bezeichnen würden und ob es häufig durch das Kind genutzt wird.

Als zuletzt gekaufte Spielzeuge „mit denen die Kinder etwas lernen können oder welches die Kinder in den Bereichen Sprache oder rechnerisches Denken oder Motorik oder Sinneswahrnehmung oder soziales Verhalten fördert“, wurden genannt:

Auffällig sind hier die sehr unterschiedlichen Angaben zur Nutzung des edukativen Spielzeugs durch das Kind. Explizit als solche deklarierte Lernspiele, wie etwa Buchstabenwürfel, finden demnach wenig Anklang unter den Kindern, wohingegen Bausteine sehr häufig genutzt werden. Bücher, CDs, Holzspielzeug, Gesellschaftsspiele und Puzzle sind ebenfalls recht häufig genutzt, erreichen aber nicht annähernd die Quote, welche Bausteine aufweisen. Spielzeuge, welche im engeren Sinne, d.h. gemäß der ursprünglichen akademischen Definition als edukatives Spielzeug einzustufen sind, weißen durch die Reihe schlechte Nutzungsquoten auf. Lernspiele, PC-Spiele, Lerncomputer oder Experimentierkästen werden selten bis kaum genutzt. Betrachtet man die hohe Wertigkeit, welche derartiges Spielzeug in den Augen der Eltern genießt, tut sich hier ein deutlicher Graben zwischen elterlichen Ansprüchen und kindlichen Vorlieben auf.

Der Grund dafür geht aus der Studie nicht eindeutig hervor. Naheliegend wäre die Annahme, dass gerade solches Spielzeug, welches die Eltern gezielt zur Kompensation elterlicher Defizite angeschafft haben, durch die Kinder nicht angenommen wird. Diese Annahme scheint sich auch bei vielen Spielzeugen zu bestätigen. Puzzle und Holzspielzeuge etwa, werden nicht aus solchen Motiven gekauft, während dieses Motiv besonders bei Sprach- und Mathetrainern aber auch bei den verschmähten Lern- und PC-Spielen eine hervorzuhebende Rolle spielt. Dieser Schluss wird jedoch dadurch verhindert, dass besagtes Motiv auch bei der Anschaffung von Bausteinen oder Gesellschaftsspielen relevant ist. Eventuell ließe sich die angesprochene Erklärung dadurch retten, dass angenommen wird, dass bei Lernspielen etc. das besagte Kaufmotiv starker durch das Spielzeug selbst kommuniziert wird, als es etwa bei Bausteinen der Fall ist.

Eine alternative Erklärung bietet die Auswertung der Frage, für welchen Lernbereich das Spielzeug als geeignet angenommen wird. Die unter Kindern beliebten, aber mitunter zur Kompensation von Defiziten angeschafften Spielzeuge sind solche, welche vor allem Motorik und Sinneswahrnehmung sowie soziales Verhalten schulen sollen. Solche Spielzeuge aber, die dezidiert zur Schulung von Sprach-, Lese- oder Rechenschwächen angeschafft wurden, fallen bei den Kindern tendenziell durch. Typischer Schulstoff findet also in den Kinderzimmern keinen großen Anklang.

III. Lernspielzeug im Spielzeughandel

Ungeachtet des nicht selten ausbleibenden kindlichen Interesses für edukatives Spielzeug (gemäß der akademischen Definition) werden solche Spielsachen von Eltern hoch geschätzt und daher auch recht häufig gekauft. In einer dritten Phase der Studie sollte daher die Realität in den Spielzeugläden hinsichtlich der Präsentation und des Beratungsbedarfs bei edukativem und Lernspielzeug untersucht werden.

Im Zuge der Studie wurden die Händler in zwei Gruppen aufgeteilt. Jene, welche angeben, nachfrageorientiert Spielzeuge aller Art zu führen (hauptsächlich Kaufhäuser und Supermärkte) und solche, welche nach eigenem Bekunden ausschließlich „hochwertige Spielzeuge“ im Sortiment haben (Fachgeschäfte und Einzelhändler).

Unter allen befragten Händlern gaben 14% an, überwiegend Lernspielzeug im Sortiment zu haben. Dieser Anteil erhöht sich leicht (auf 18%), untersucht man nur die Händlergruppe „hochwertiges Spielzeug“ und sinkt dramatisch (auf 7,6%) bei den nachfrageorientierten Spielzeughändlern.

Auffällig ist nun die Kluft zwischen den Aussagen der Eltern und der Praxis der nachfrageorientierten Händler. Gegeben, die Eltern kaufen bevorzugt Spielzeug, dass sie auch als „sinnvoll“ empfinden und sie legen dieses Attribut vor allem Lernspielzeugen bei (wie in Phase zwei aufgezeigt), sollte eine enorm hohe Nachfrage an Lernspielzeug zu verzeichnen sein. Nachfrageorientierte Händler müssten demnach ein großes Sortiment an solchen Spielzeugen führen. Was anfänglich sehr widersprüchlich wirkt, lässt sich jedoch auf einen bestimmten Umstand zurückführen. Eltern kaufen zwar Lernspielzeuge, tun dies jedoch weitestgehend in Fachgeschäften (Resultat aus Phase II).

Grund dafür ist der erhöhte Beratungsbedarf bei Lernspielzeugen. Ganze 85% der Händler der Gruppe „hochwertiges Spielzeug“ attestieren ihren Kunden einen merklich höheren Beratungsbedarf, wenn es um den Kauf eines Spielzeugs geht, das den Lernspielzeugen zuzurechnen ist.

Hierdurch scheint das aus den Ergebnissen der ersten beiden Phasen induzierbare starke Interesse der Eltern an Lernspielzeugen auch von Händlerseite belegt. Spielzeuge werden demnach nicht nur durch die Eltern auf ihren edukativen Wert und ihre Sinnhaftigkeit hin überprüft, die Eltern sind scheinbar auch bestrebt, möglichst viele Informationen in ihr Urteil einfließen zu lassen.

Fazit

Die Studie der GEFAS zeigt recht deutlich, wie stark der Begriff von „Lernspielzeug“ bzw. „sinnvollen Spielzeugs“ im elterlichen Alltag verankert ist. Spielzeuge werden kaum im Hinblick auf ihre potentiellen Eigenschaften als Statussymbol oder unter Kosten-Nutzen-Aspekten bewertet und für die eigenen oder fremde Kinder ausgesucht. Auch ästhetische und funktionelle Aspekte treten gegenüber pädagogischen, funktionellen und edukativen Betrachtungen in den Hintergrund. Spielzeug scheint in breiten Teilen der Elternschaft als ein wichtiges Mittel der Erziehung und Bildung der Kinder erkannt und akzeptiert.

Ein Begriff von „sinnvollem Spielzeug“ spielt bei der Auswahl geeigneter Spielwaren eine entscheidende Rolle. Ob ein Spielzeug dabei als sinnvoll eingeschätzt wird, hängt vor allem von den Eigenschaften ab, welche eine Eignung der Spielwaren als pädagogisches Werkzeug ausmachen. Wie die Erlanger-Studie zeigt, spielen auch Nachhaltigkeits-Erwägungen eine große Rolle bei der Auswahl geeignet erscheinender Spielsachen. Bemerkenswert ist hierbei vor allem, dass auch das Konzept der Nachhaltigkeit im Kontext von Spielzeugen zum Teil durch einen angenommenen pädagogischen Wert selbiger definiert ist. Dass es sich bei den Aussagen der interviewten Eltern nicht um bloße Floskeln handelt, also nicht einfach die Aussagen getroffen wurden, welche als sozial gewünscht angenommen wurden, zeigt eine Befragung der Spielzeughändler. Die These, Eltern gingen mit einer gesteigerten Sorgfalt bei der Auswahl der richtigen, d.h. sinnvollen Spielzeuge vor, wird durch den gesteigerten Beratungsbedarf in Spielzeug-Geschäften belegt.

Quellen:

B. Sutton-Smith: Spiel als Mittler des Neuen in: A. Flitner Hrsg. Das  Kinderspiel 3. Aufl. München 1976

K.Kube: Spieldidaktik, 1977

J. Piaget: Nachahmung, Spiel und Traum. Stuttgart 1975

M. Koch: Kinder und modernes Spielzeug, Dissertation, urn:nbn:de:hbz:468-20080313[http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn%3Anbn%3Ade%3Ahbz%3A468-20080313]

GEFAS-Studie: Spielen lernen – edukatives Spielzeug, 2008, http://www.spielwarenmesse.de/uploads/media/Spielend_Lernen_GEFAS_Studienergebnisse_01.pdf

Studie der Universität Erlangen-Nürnberg: Toys go Green, 2010, www.spielwarenmesse.de/toysgogreen




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